Kroondal

Die Farm Kroondal war in früheren Zeiten das Eigentum von zwei Afrikanerburen, die kaum ihr Leben darauf machen konnten. Im Jahre 1889 kaufte Missionar Ch. Müller die Farm für Missionszwecke für den Kaffernstamm Ramakoko. Dieser Stamm sollte die Farm abzahlen und bewohnen, konnte aber die Kaufsumme, über 2000 Pfund, nicht aufbringen. so sah Missionar Müller sich genötigt, die Farm zu verkaufen, um die Kaufsumme aufzubringen. Die Farm wurde in zwölf "Erwen" aufgeteilt, und diese wurden einzeln verkauft an deutsche Farmer. So entstand eine rein deutsche Ansiedlung auf Kroondal. Die Farm hatte sehr starkes fließendes Wasser. Durch den Bau eines Staudammes wurden die Wasserverhältnisse noch verbessert, so daß die zwölf Eigentümer ihr Leben gut auf der Farm machen konnten. Im Jahre 1896 wurden eine eigene Deutsche Lutherische Kirche und zwei deutsche Schulen gebaut. Durch Zuzug Auswärtiger sowie durch Verheiratung der eigenen Kinder hat Kroondal sich sehr ausgebreitet, so daß heute über dreißig Familien auf Kroondal als Deutsche wohnen.

Auf Kroondal ist ein Kaufmannsgeschäft, eine Mühle, ein Post- und Telefonamt, ein Schmied, ein Tischler und ein Klempner. Die meisten Bewohner sind Farmer. Die Produkte, die gebaut werden, sind hauptsächlich Weizen und Tabak. Die Kirchengemeinde zählte über 250 Seelen. Das Verhältnis in der Gemeinde in ein sehr gutes. Deutsch ist die Umgangssprache, die durch die deutsche Kirche und Schule auch bei unseren Kindern erhalten wird.

Bis 1937 blieb ich auf Bethanie wohnen. Dann gab ich die Geschäfte auf und wollte nun auf meine Farm bei Kroondal ziehen, die ich 1908 gekauft hatte, und Apfelsinenfarmer werden. Leider war auf der Farm immer noch kein Wohnhaus, aber auf der Hälfte, die der Pastor Vorster gekauft, hatte er ein schönes Wohnhaus bauen lassen für seinen Schwiegersohn. Derselbe wollte aber nicht dort wohnen und zog fort. Da mietete ich von Pastor Vorster die Hälfte der Farm mit dem schönen Wohnhaus für drei Jahre, um in diesen drei Jahren meine Hälfte in Ordnung zu bringen und mir ein Wohnhaus zu bauen. Vorster hatte über tausend Fruchtbäume angepflanzt, die schon trugen, und ich konnte schon auf gute Einnahmen für Apfelsinen rechnen. Dabei hatte ich nicht die Absicht, diese Hälfte der Farm auch zu kaufen, ließ aber im Mietkontrakt aufnehmen, daß ich innerhalb von drei Jahren das erste Kaufrecht auf den Platz hätte. Vorster sagte:-"Gut, aber wir müssen einen Mindestpreis festlegen, wofür du die Farm kaufen kannst." Ich sagte, er solle nur den Preis, den er haben möchte, einfüllen, kaufen würde ich es doch nicht, ich hätte genug an meiner Hälfte. Dann setzte er als Kaufpreis 5500 Pfund ein. Hierüber mußte ich lachen. Es waren 2000 Pfund über den Wert des Grundstückes. Und doch habe ich diese Summe für dieses Grundstück bezahlt. Das kam so: 1919 nach dem großen Weltkrieg nahm der Apfelsinenhandel durch den Export einen riesigen Aufschwung. In England wurden bis zu 60 Schilling für eine Kiste guter Apfelsinen bezahlt. Da setzte ein sogenannter "Boom" ein, und alle wollten Apfelsinenfarmen kaufen. Ein reicher Farmer aus dem Orange Freistaat kam und bot Vorster 7000 Pfund Sterling für seine Farm. Nach meinem Mietkontrakt hatte ich das Kaufrecht zu 5500 Pfund. Vorster sagte, er wäre mit 2000 Pfund Anzahlung zufrieden, 3500 Pfund könnten stehenbleiben gegen sechs Prozent Zinsen. Nun hatte ich gerade zu der Zeit ein Angebot für ein Grundstück am Krokodilrivier, welches ich einige Jahre vorher gekauft hatte, das aber noch unbearbeitet war. Das Angebot war 2000 Pfund. Da griff ich sogleich zu und verkaufte das Stück. Dadurch erhielt ich die nötige Summe zur Anzahlung an Vorster und kaufte seinen Teil. Wohl war mir bewußt, daß ich 2000 Pfund zuviel an Vorster zahlte, doch ich hatte den Mietkontrakt unterzeichnet und konnte nicht anders, wenn ich den Platz nicht wollte fahren lassen. Dieses ist der einzige dumme Streich, den ich in meinem geschäftlichen Leben gemacht habe. Hätte ich darauf bestanden, so hätte ich das Grundstück für 3000 Pfund haben können, wenn ich beim Schreiben des Kontraktes die Absicht gehabt hätte, es zu kaufen. Also kaufte ich 1920 die Hälfte von Vorster und konnte in dem von Vorster gebauten schönen Wohnhause wohnen bleiben und war Eigentümer der ganzen Farm. So kostet mich die Farm beide Hälften zusammen, nahezu 800 Morgen, 7000 Pfund. Durch Errichtung von Gebäuden, Dämmen und Wasseranlage habe ich noch weit über tausend Pfund ausgegeben. Die Frage, ob die Farm das viele Geld heute wert ist, kann ich nur mit Ja beantworten. Auf der Farm sind etwa sechstausend Apfelsinenbäume nebst anderen Obstbäumen, gute Gebäude und vollständige Wasseranlage. Die ganze Farm ist unter sieben meiner Kinder verteilt, jedes hat sein Grundstück mit Wasser zum Bewässern. Die erstgekaufte Hälfte bewohnt mein ältester Sohn Heini. Er hat seinen Teil mit dem Namen Waldheim getauft. Die andere Hälfte bewohne ich selbst und nenne sie Bergheim. Das ist jetzt unsere Heimat hier im fremden Lande, die ich durch Gottes Güte und Gottes Segen für mich und meine Familie habe erwerben und schaffen können. Viel Arbeit, Sorge und Mühe sind nötig gewesen, um es so weit zu bringen, aber ich kann nur sagen: Der Herr hat Segen zu meinem Tun gegeben und hat alles wohl gemacht. Ihm allein sei Dank und Ehre dafür. Mit einem Vermögen von 2.6 Schilling bin ich 1880 ins Land gekommen als Jüngling von 16 Jahren, und als reichgesegneter Familienvater werde ich dies Land, wenn meine Zeit gekommen ist, verlassen.


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