Nach Deutschland

Zu Hause brachte ich bald mein Geschäft wieder in Gang. Mein Zustand besserte sich, der Husten verschwand, nur die Lahmheit und die Schmerzen im Rücken wollten nicht weichen. Die Ärzte sagten alle, ich sei sehr schwer nierenleidend. Durch den Verkauf von Sanddrift war ich zu Geld gekommen und entschloß mich nun, für meine Gesundheit eine Reise nach Deutschland zu machen. So reisten meine Frau und ich Anfang Mai 1903 nach Deutschland ab. Die Führung des Geschäfts übergab ich meinem Bruder Georg.

Von Kapstadt fuhren wir über die Westküste mit einem englischen Dampfer "Cerrisbrook Castle". Die Reise tat mir sehr gut. Leider litt meine Frau sehr an Seekrankheit, so daß sie nicht einen einzigen Tag auf der ganzen Reise gesund war.

In Deutschland fuhr ich nach Berlin und kam zu einem Professor, der zu der Zeit sehr berühmt und Kaiserlicher Hofarzt war, in der Meinung, das Beste, was zu haben sei, zu gebrauchen. Ein Attest von einem Arzt in Pretoria, das ich mir hatte ausstellen lassen, gab ich ihm zu lesen. Darauf untersuchte er mich oberflächlich und sagte, ich sei nierenkrank und müsse nach Bad Wildungen gehen, um dort eine Kur durchzumaden. Der hohe Herr hatte aber meine Krankheit nicht erkannt. Ich war sehr enttäuscht und entschloß mich, zu einem Spezialisten für Blasen und Nierenleiden in Charlottenburg zu gehen. Der stellte eine gründliche Untersuchung an, drei Tage lang. dann sagte er: "Da ist keine Spur von Nierenleiden", aber mein Nervensystem sei total zerrüttet infolge der jahrelangen Malaria, ich müsse nach Kolberg an der Ostsee gehen und warme Solbäder gebrauchen, dürfe aber nicht in der See baden. Nun befolgte ich seinen Rat und ging nach Kolberg. Dort habe ich die warmen Solbäder gebraucht. Diese griffen mich sehr an, doch bald merkte ich Besserung. Nach ein paar Wochen fühlte ich mich neu belebt. Nun ging ich nach Ilmenau in Thüringen und gebrauchte warme Tannennadelbäder als Nachkur. Vollkommen hergestellt kehrte ich nach Berlin zurück, blieb dort acht Tage bei meinem Vetter und habe mir Berlin gründlich angesehen. Ich hatte auch das Glück, Kaiser Wilhelm II. in nächster Nähe zu sehen. Dann machte ich eine Reise über Leipzig und Frankfurt den Rhein hinunter bis Köln, über Essen und Bochum zurück bis Hannover und Hermannsburg. Ich besuchte das Haus meiner Eltern und ihre Gräber. Dies war doch herrlich, nach 23 Jahren die Heimat wieder zu sehen, auch die Freunde und Verwandten, deren noch viele lebten. Besonders Uelzen, wo ich die Gärtnerei gelernt hatte, war für mich eine liebe Erinnerung. Nachdem ich noch einen Abschiedsbesuch bei allen Verwandten gemacht hatte, fuhr ich am 8.November von Hannover ab nach der Schweiz, um nun an der Ostküste Afrikas entlang zurückzufahren.

In Rom hielt ich mich zwei Tage auf und habe dort die meisten Sehenswürdigkeiten, wie St. Peter, Vatikan, die vielen Bildergalerien, die Katakomben usw., gesehen, fuhr dann nach Neapel, wo ich den deutschen Dampfer "Kurfürst" bestieg und über Ägypten und Suezkanal nach Delagoa Bay fuhr. Von da reiste ich mit der Bahn nach Pretoria und kam am 6. Dezember auf Kana an.

Zu Hause trat die Wohnungsfrage an mich heran. Mein Haus in Waykraal war abgebrannt. So entschloß ich mich, auf der Missionsstation Bethanie ein Wohnhaus zu bauen. Alles Baumaterial war nach dem Kriege schrecklich teuer, doch ich baute ein schönes, großes Haus, welches nach zwanzig Jahren freien Wohnens der Mission zu eigen gehören sollte. Im April 1904 wurde das Haus fertig, und wir zogen ein. Nun war ich nahe beim Geschäft und hatte nicht mehr nötig, nach Waykraal hin und her zufahren. Ich übernahm auch die Post und errichtete zwei Nebengeschäfte auf Makalokwe und Berseba. Mein Bruder wohnte auch auf Bethanie, baute sich ein schönes Haus bei der Mühle und besorgte für mich das Mühlengeschäft. Auf Berseba wohnten mehrere deutsche Familien, und da gründeten wir eine kleine deutsche Gemeinde.
Wegen des Baues des Hartebeest-Staudammes kaufte die Regierung mehrere Farmen auf, um diese an die Schwarzen zu geben, deren Grund sie zum Gebrauch für die Farmer unter dem Hartebeestdamm-Schema genommen. Auch die Missionsfarmen Bethanie und Berseba wurden von der Missionsgesellschaft an die Regierung verkauft. Die deutschen Bewohner Bersebas mußten wegziehen, und die kleine deutsche Gemeinde hörte dadurch auf zu bestehen.

Auf Kroondal, in der Nähe Rustenburgs, hatte sich eine deutsche Gemeinde gebildet, die auch eine deutsche Schule errichtete. Dieser Gemeinde schlossen wir uns dann an. Kroondal war schon im Jahre 1886 als eine deutsche Siedlung durch Missionar Müller angelegt worden. 1896 wurde die Kirche gebaut. 1904 bildete sich ein deutscher Schulverein, aus dreißig Mitgliedern bestehend. Es wurde ein großes Kinderheim für fremde Kinder gebaut, wo die auswärtigen Kinder wohnen konnten. Dahin schickten wir unsere Kinder zur Schule. Immer mehr Deutsche zogen nach Kroondal und in die Nähe Kroondals, und die Gemeinde und auch die Schule vergrößerten sich bedeutend. Kroondal ist heute die größte deutsche Gemeinde in der Union von Südafrika.

Die Jahre nach dem Burenkrieg verliefen ruhig, und die Geschäfte gingen gut. Ich hatte längst den Wunsch, mich in Kroondal oder in der Nähe Kroondals anzusiedeln, wollte gern eine Farm am Magaliesberg haben. Da bot sich eine Gelegenheit, eine halbe Farm von 400 Morgen Größe oberhalb von Kroondal von einem Engländer zu kaufen. Im Jahre 1908 kaufte ich dann diese Farm. Auf der Farm waren 400 Apfelsinenbäume, die aber durch die Engländer im Kriege abgebrannt waren. Diese sägte ich alle ab und ließ junge Ausschüsse aus den Wurzeln auswachsen, welche ich dann okulierte und somit bald wieder früchtetragende Bäume erhielt. Auf der Farm war leider kein Wohnhaus. Der Engländer hatte sich ein kleines Häuschen gebaut, worin er wohnte. Die Farm war gut, mit fließendem Wasser aus einer Quelle oben auf dem Berge versehen, sonst aber ziemlich verwildert und vernachlässigt. Früher hatte die Farm einer holländischen Gesellschaft gehört. Diese hat viel Geld daran spendiert und große Tabakhäuser und andere Gebäude gebaut, sie wollten dort eine Tabak- und Zigarrenfabrik errichten. Dann aber machten sie bankrott und verkauften die ganze Farm.


Gefangen in Pretoria