Gefangen in Pretoria

In Pretoria mietete ich ein Haus, erst in der Bloedstraße, später in der Pretoriusstraße. Meine Schwiegereltern und Schwägerin, die im Camp in Krugersdorp waren, ließ ich nachkommen. Da ich für Wohnung und Unterhalt sorgen mußte und kein Geld mitgenommen hatte, mußte ich mich nach Verdienst umsehen. Ich kaufte alte Weidenbäume auf, zersägte und hackte sie zu Feuerholz und fuhr dieses mit einem kleinen Handwagen des Morgens zum Markt. Mein Schwiegervater und später mein Schwager, der auf unser Gesuch von Greenpoint, wo er gefangen saß, zurückgesandt wurde, halfen beim Sägen. Das Geschäft ging gut, solange wir Bäume kaufen und kriegen konnten. Doch dauerte es nicht lange, da waren keine Bäume mehr zu haben. Da mietete ich mir ein Zimmer im Marktgebäude und wurde Marktagent, verkaufte für andere Leute Sachen auf dem Markt gegen fünf Prozent Kommission. Das Geschäft entwickelte sich so, daß ich bald Hilfe anpeilen mußte.

Eines Tages ließ der Provost-Marschall von Pretoria mich rufen und sagte, ich müsse das Milchdepot für die Regierung übernehmen. Das war ein schwerer Dienst, von früh fünf Uhr bis abends mußte alle Milch, die in Pretoria zu haben war, zu mir gebracht werden, und ich mußte sie austeilen an die Hospitäler usw. nach Instruktionen von der Regierung. Mein Geschäft blühte, und ich verdiente etwa 30 Pfund im Monat nach Bezahlung meiner Gehilfen. Als im Mai Friede wurde, war es bei mir eine Frage, ob ich mein Geschäft in Pretoria fortsetzen oder nach Hause zurückkehren solle, ich entschied mich jedoch für letzteres. Leider ging es mir gesundheitlich nicht gut, ein schlechter Husten plagte mich. Ich litt an allgemeiner Schwäche und Appetitlosigkeit. Der Arzt, zu dem ich ging, sagte, nachdem er mich untersucht hatte: "Herr Behrens, es steht schlecht mit Ihnen. Sie müssen sich bereit machen, Sie haben höchstens noch einen Monat zu leben." Diese Nachricht traf mich wie ein Donnerschlag. Nach zwei Tagen kam der alte Berliner Missionar Sachse zu mir; er hatte davon gehört und sagte: "Nun nur nicht den Mut aufgeben. Mit Gottes Hilfe wird die Krankheit wohl noch zu überwinden sein." Er gab mir dann genaue Verhaltungsmaßregeln und zwei homöopathische Mittel." " Nur der Husten ist gefährlich. Den müssen wir erst kurieren." Sogleich fing ich mit der Kur an, und schon nach kurzer Zeit merkte ich eine Besserung.

Im August nach Friedensschluß fuhren wir dann nach Bethanie zurück. Die Internierung in Pretoria hatte achtzehn Monate gedauert.

Der Kaffernhäuptling oder Kaptein von Bethanie, Jakobus Morne Mamogale, war ein tüchtiger und guter Mann und unser Freund. Obwohl er den Engländern gehorchen mußte, hat er uns und auch den Buren manchen Dienst erwiesen, ihm sei Dank dafür. Nachdem wir fortgenommen waren, hat er alles, was die Tommys übrig, gelassen hatten, gesammelt, auch meine Ladenbücher und Papiere, zu sich genommen und aufbewahrt und uns beim Nachhausekommen in schönster Ordnung abgeliefert. Der Laden war durch die Tommys ausgeplündert, unser Vieh, Schweine, Hühner und alles sonstige war geraubt, mein Haus auf Waykraal abgebrannt und in der Mühle vieles entzweigeschlagen. So hieß es nach unserer Rückkehr von neuem anfangen.

Im Jahre 1900 starb mein Onkel, Missionar Behrens, in Bethanie an Malaria. Nach seinem Tode bezog ich sein Haus. Dieses war alt, mit zwei Fuß dicken Lehmwänden, aber gut erhalten. In der Zeit des Krieges konnte ich kein Geld nach Pretoria schicken, mußte alles zu Hause behalten. So hatte ich 400 Pfund gesammelt, da das Geschäft gutging, solange ich Waren zu verkaufen hatte. Die Tommys suchten auf den Farmen immer nach verstecktem Gelde. Die Buren vergruben ihr Geld meistens. Auch ich sah keine andere Möglichkeit, das Geld zu retten, als es einzugraben. In einer Nacht grub ich in unserem Schlafzimmer ein tiefes Loch, es war nur Lehmboden mit Linoleum darüber, legte 200 Pfund in eine Blechdose und stellte sie in das Loch, machte den Boden wieder schön eben und das Linoleum darüber fest. Im Eßzimmer hatten wir viereckige Fliesen. Davon holte ich eine heraus und vergrub unter dieser eine kleine Holzkiste mit 200 Pfund. Das Geld war gemischt, Noten, Gold und Silber. Die bestimmte Fliese erhielt ein Merkmal. Bald darauf wurden wir nach Irene gebracht. Als wir 1902 nach Friedensschluß nach Hause kamen, war es natürlich das erste, nach dem Gelde zu sehen. Die Fliese im Eßzimmer lag unberührt. Ich grub das Loch auf, aber o Schreck!, die Holzkiste war verschwunden. Die Ameisen hatten sie auf gefressen, ebenso die meisten Banknoten. Gold und Silber lag im Loch. Ich hatte die Ameisen nicht in Betracht gezogen beim Eingraben. In die Kammer kommend, sah ich, daß die Tommys den Boden aufgegraben hatten. Es war da ein tiefes Loch, doch neben der Stelle, wo ich das Geld eingegraben hatte. Da grub ich einen Schaufelstich weiter, wo die Tommys aufgehört hatten, und meine Blechdose kam unversehrt zum Vorschein. Einen Stich weiter, dann hätten sie es gehabt. somit hatte ich Geld und konnte mein Geschäft wieder fortsetzen. Die dicken Mauern des Hauses waren durch Ameisen sehr ausgehöhlt. Die Tommys hatten mit Picken überall, wo es hohl war, Löcher in die Mauer gehauen in der Erwartung, daß da Geld versteckt sei.


Einzelne Vorfälle aus der Kriegszeit