Einzelne Vorfälle aus der Kriegszeit

Die Engländer hatten Rustenburg besetzt und schickten von da eine Abteilung von etwa hundert Mann mit Wagen ins Buschfeld, um bei dem Kaffernstamm Ramakoko Melismehl, Schafe, Hühner und andere Sachen aufzukaufen und zu holen. Da kamen die Burenkommandos, um Rustenburg zurückzuerobern, und die Engländer flüchteten nach Moselekaatsnek. Nun war die Abteilung im Buschfeld abgeschnitten. Von Moselekaatsnek aus schickten sie eine Patrouille von zwölf Mann zu Pferde nach Ramakoko, um die Abteilung zurückzurufen und zu warnen, nicht nach Rustenburg, sondern nach Moselekaatsnek zu kommen. Als wir eines Morgens am Frühstückstisch saßen, kam ein Tommy bei uns angestiefelt. Es war in Bethanie. Nach der Frage meinerseits, woher und wohin, sagt er, daß er vom Kaptein Mamogale komme. Eine englische Patrouille sei in der Nacht durchgekommen nach Ramakoko, um die Abteilung zurückzurufen. Der Captain hätte einen seiner Leute der Patrouille als Führer mitgegeben. Dieser hätte sein Pferd geritten, und nun müsse er beim Kaptein warten, bis die Patrouille zurückkäme. Er war ein schwedischer Theologe in englischem Dienst, sprach auch gut deutsch. Nachdem er gut bei uns gefrühstückt, ging er wieder hinüber zum Kaptein, um da zu warten. Nach etwa einer Stunde kam ein Burenkommandant mit seinem Adjutanten bei mir an. Die Frage: "Sind hier Engländer in der Nähe?", beantwortete ich mit: "Ja, es ist einer beim Kaptein." Der Kommandant, es war Sarel Alberts, sagte: "Nun, den wollen wir uns gleich holen." Sie ritten gleich rüber, nahmen den Schweden gefangen und zogen mit ihm ab, er mußte vor den Pferden zu Fuß laufen. Eine Stunde danach kam die Abteilung von Ramakoko über Waykraal kommend in Bethanie an. Gleichzeitig kam mein Junge. von Waykraal an und sagte: "Baas, die Engländer haben alle Hühner, Kürbisse und Hafer auf Waykraal gestohlen und mitgenommen." Das englische Kommando hatte drüben beim Kaptein ausgespannt. Daß sie alle meine Hühner genommen hatten, ging mir doch zu weit. Ich lief hinüber zum Kaptein, um den Führer der Engländer zu sprechen und um eine Bescheinigung der gestohlenen Sachen zu bitten. Inzwischen hatten die Engländer die Sache mit dem Schweden gehört und daß die Buren in der Nähe seien. Da war alles in großer Aufregung. Sofort wurde einspannt und weggejagt, was die Ochsen laufen konnten. Auf der sehr steinigen Straße flogen die Säcke Melis und andere Sachen vom Wagen herunter, aber davon wurde keine Notiz genommen; nur fort, die Buren kommen! Das war ein wechselvoller Vormittag. Die Engländer jagten nach Moselekaatsnek und erreichten ihr dortiges Kommando. Die Buren kamen leider einige Stunden zu spät, sie hätten sonst den ganzen Zug abfangen können.

Ein Offizier kam in den Laden, hatte einen von meinen großen Hähnen von Waykraal kopfab in der Hand. Er legte diesen schönen Braten auf den Ladentisch, während er seine Taschen nach Geld für die Zigaretten durchsuchte. Mein Ladenjunge Ismael benützte den Augenblick und zog den Hahn unter den Tisch. Der Offizier steckte schnell seine Zigarette an und rannte hinaus, sprang aufs Pferd und jagte fort. Er wird am Abend wohl im Zweifel gewesen sein, wo denn sein schöner Braten hingekommen sei. Er hat diesen, in der Eile und Angst vergessen, und Ismael hat ihn sich zu Gemüte geführt. O, die Furcht vor den Buren!


Die Kriegsjahre