Meine Verlobung und Hochzeit

Nach dem Heimgange meiner Mutter war mein Haushalt verwaist, und ich verlobte mich kurzerhand am 17. April 1890 mit Fräulein Dora Wenhold, der ältesten Tochter des Missionars Hermann Wenhold zu Kana. Mein Schwiegervater stammte aus Holthusen, Gemeinde Gerdau, meine Schwiegermutter aus Schmarbeck. Wir waren uns seit längerer Zeit einig, auch hatte ich mit meiner Mutter die Sache längst besprochen und ihre Zustimmung zu dem Bündnis erhalten, doch es war noch heimlich. Wollte ich meinen Haushalt nicht verfallen lassen, so war dies die einzige Rettung für mich. Mein Mädchen sah die Notwendigkeit ein, und sie und ihre Eltern stimmten zu. Am 17. Juli sollte dann die Hochzeit sein. So haben wir nur eine Brautzeit, die ja die schönste des ganzen Lebens sein soll, von drei Monaten gehabt. Ja, die Zeit war schön, und ich habe fast jeden Abend Schreibübungen in Liebesbriefen gemacht. Wie diese waren, darüber schweigt die Geschichte.

Nachdem ich zweimal meine Braut besucht, war am 17. Juli die Hochzeit bei meinen Schwiegereltern auf Kana. Zwei Tage nach der Hochzeit traten mir im Ochsenwagen unsere Hochzeitsreise an, von Kana nach Waykraal. Sie dauerte acht Stunden. Mein Schwager Theodor fuhr uns hin. Mit Sonnenuntergang waren wir bei unserem Heim angekommen. In einem von mir selbstgebauten Hause zogen wir ein. Es war kein Schloß, nur drei Zimmer und drei Verandakammern, eine davon war das Badezimmer. Es heißt ja: "Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar." Nun, daran fehlte es uns nicht, und wir waren sehr glücklich in unseren vier Wänden. Da mein Geschäft in Bethanie war, so mußte ich alle Morgen, außer Sonntags, mit Karre und Pferden etwa vier Meilen nach Bethanie fahren und kam dann abends meistens erst im Dunkeln zurück. Das war nun für uns gar nicht so schön, ließ sich aber nicht ändern. Abends kam mir dann immer mein Lieb entgegen. Nun gehöre ich leider nicht zu den sehr pünktlichen Leuten, und da hat mein Lieb oft weit laufen und halbe Stunden warten müssen, ehe es auf die Karre steigen konnte. Dies tut mir heute noch leid. Meine Frau war aber nicht bange. Sie ging alleine mit ihren beiden Hunden, Emil und Pascha, wenn es sein mußte, bis halbwegs Bethanie, setzte sich hinter einen Busch und wartete auf ihren unpünktlichen Mann.

Vor dem Hause hatte ich einen schönen Blumengarten angelegt, der ihr viel Freude machte, aber trotzdem, war es für mein Lieb eine einsame Zeit. Die Nachbarn waren Buren, mit denen wir fast keinen Umgang hatten. Nur am Sonntag hatten wir oft Besuch, das waren dann angenehme Tage.

So haben wir in Waykraal bis zum Ausbruch des Burenkrieges neun glückliche und zufriedene Jahre verlebt. Wir wohnten allein und abgelegen, und somit dauerten die Flitterwochen die ganzen neun Jahre. Vier Kinder wurden uns in den Jahren geschenkt, zu deren Empfang wir jedesmal nach Kana zogen, um bei Muttern und in der Nähe des Arztes zu sein, der auf Rustenburg war.

Am 2. Mai 1891 fuhren wir so zum ersten Male per Ochsenwagen nach Kana zu den Eltern. Leider bekamen wir Regen unterwegs, und weil der Torf zu naß war, mußten wir unterwegs schlafen. Am nächsten Morgen, es war ein Sonntag, um 9 Uhr, kamen wir in Kana an.
Um 12 Uhr kam unser Ältester, Heini, zur Welt. Die Freude war groß über den großen, starken Erben. Nach zwei Wochen wurde er von unserem Vater auf Kana getauft. Als Familie kehrten mir nach Waykraal zurück. Nun hatte mein Lieb viel Arbeit und war tagsüber auch nicht mehr allein.

Im Juli 1892, mußten wir wieder eine Reise nach Kana machen. Da schenkte der liebe Gott uns ein Töchterchen. Es erhielt in der Taufe den Namen Thea nach seiner Großmutter. Leider war die Freude von kurzer Dauer, die Kleine starb im elften Monat an Zahnkrampf in Bethanie, wo sie begraben liegt auf dem Kirchhof. Da liegt auch meine liebe Mutter sowie unser kleiner Sohn Ernst, der ein Jahr alt an Malaria auf Bethanie starb.

1899 im Burenkrieg brannten die Engländer mein Haus auf Waykraal ab. Alle Möbel hatten wir nach Bethanie gebracht, nur das Nebengebäude war voll von Produkten, Hafer und Korn. Das war das Ende von Waykraal. Das Haus ist nie wieder aufgebaut worden.


Mutter