Mutter

Meine liebe Mutter, mit der ich zusammen auf Waykraal wohnte — sie war, als sie von Deutschland herauskam, 51 Jahre alt —, konnte sich an die afrikanischen Verhältnisse schwer gewöhnen und hatte oft Heimweh nach Deutschland. Sie war jedoch tapfer und lebte sich nach und nach ein. Des Sonntags fuhren wir mit einer Ochsenkarre nach Bethanie, was ihr immer eine Freude war. Wir gingen dann dort zur Kirche. Leider verstand sie die Sprache, in der gepredigt wurde, noch nicht, aber der Umgang mit den lieben Familienmitgliedern war ihr eine Freude. Auch die Arbeit auf der Farm tat sie gern. Der Haushalt nahm ihre ganze Zeit in Anspruch, so daß sie bald gern hier war.

An einem Sonntag im April 1890 waren wir beide zu Hause. Gegen Abend gingen wir etwas spazieren auf dem Wege zur nächsten Farm Rehoboth. Es hatte geregnet, und auf dem Wege standen große Pfützen Wasser. Wir gingen um eine solche Pfütze, einer an der einen und der andere an der anderen Seite, herum. Beim Zusammentreffen sagte Mutter: "Hier ist mal eine eigentümliche Luft. Es zieht einem direkt in die Lunge." Auch ich hatte dies bemerkt. Als wir bald darauf zurückkamen und bei dieser Pfütze vorbeigingen, war es wieder derselbe Duft, der sich auf die Brust legte, ein ganz intensiver giftiger Dunst.

Nach acht Tagen mußten wir uns beide hinlegen, wir hatten Malariafieber. Meine Kusine Marie kam von Bethanien, uns zu pflegen. Es wurden alle möglichen Hausmittel angewandt, Doktoren gab es hier noch nicht. Doch nichts wollte helfen, und nach acht Tagen, am 8. März 1890, starb meine liebe Mutter an Malaria. Das war für mich ein harter Schlag. Nur drei Jahre war Mutter bei mir. Danach mußte ich meine Junggesellenwirtschaft wieder beginnen.

Mutter liegt auf dem Kirchhof von Bethanie begraben, inmitten der schwarzen Gemeinde. Der Predigttext war: "Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten." Ja, meine liebe Mutter hatte ein schweres, tränenreiches Leben hinter sich. Lebende Geschwister hatte sie nicht mehr. Sie hat uns Kinder streng und christlich erzogen, und heute, 75 Jahre alt, danke ich meiner lieben seligen Mutter noch von ganzem Herzen für alles, was sie an mir getan hat.

Mein Bruder Georg war kurze Zeit bei uns auf Waykraal. Die Farmerei sagte ihm aber nicht zu. Er war Zimmermann und wollte lieber auf seinem Gebiet arbeiten. 1888 verließ er Waykraal und zog nach Heidelberg, Transvaal, wo er mehrere Jahre als Zimmermann gearbeitet hat.

Das Malariafieber hielt mich vier Wochen im Bett. Danach wurde es besser, und ich konnte wieder zum Geschäft nach Bethanie fahren.


Die Zeit als Farmer auf Waykraal