Meine längste Ochsenwagenreise

In Rustenburg lebte ein Kaufmann mit Namen Johnny Tucker, ein Engländer. Der hatte ein Tabakgeschäft, handelte Tabak ein für Kaufmannswaren die er von Queenstown bezog und mit Transvaal-Tabak bezahlte. 1884 starb dies er Herr Tucker. Er setzte meinen Onkel W. Behrens, Bethanie, zum Vormund für seine Frau und zwei Kinder ein. Seine Frau war eine Afrikanerin, geborene Macdonald. Mr. Tuckers Mutter, eine alte englische Dame, war zu der Zeit bei ihrem Sohn in Rustenburg zu Besuch. Nun wollte die alte Dame zurück zu ihrer Tochter, die in East London verheiratet war, und die junge Mrs. Tucker sollte die Mutter hinunterbringen und gleichzeitig die Geschäfte auf Queenstown abschließen. Mein Onkel als Vormund konnte die zwei Damen und zwei Kinder nicht allein mit den Schwarzen fahren lassen und bat mich, als Beschützer der Damen mitzufahren. Da ich zu der Zeit brustleidend und zu schwach zum Arbeiten war, nahm ich es an, die Reise mitzumachen. Am 20. September 1884 fuhren wir mit zwei Wagen, vor jedem 16 Ochsen, von Rustenburg ab. Beide Wagen waren voll mit Tabak geladen. Auf dem einen Wagen waren zwei Hinterzelte nebeneinander angebracht. Die alte Dame wohnte in dem einen, die junge Frau mit den beiden Kindern in dem anderen. Der zweite Wagen war ein kahler Bockwagen, ohne Zelt. Darüber wurde des Nachts ein Bockseil (Segeltuch) gezogen, und darunter schlief ich auf einer Matratze.

Wir fuhren über Ventersdorp auf Potchefstroom zu. Als wir an einem Nachmittag durch den Vaalrivier fuhren, kam ein schweres Wetter von Süden auf. Wir kriegten gerade Zeit, Segel über die Wagen zu ziehen und auszuspannen, dann brach ein so furchtbares Hagelwetter los, wie ich es in meinem Leben nie wieder gesehen habe. Unsere Ochsen waren geflüchtet, und wir fanden sie erst am dritten Tage wieder. Durch den Hagel waren ihnen alle Haare vom Rücken abgeschält. Beim Suchen der Ochsen fand ich in einem Gebüsch fünf, prachtvolle junge Afrikanerkühe tot liegen, vom Hagel erschlagen.

Wir fuhren dann über Potchefstroom, Kroonstad und Taba Nchu. In dem letzteren Ort verkaufte ich einen guten Teil Tabak. Wir fuhren dann über Wepener, Caledon und andere Ansiedlungen, wo ich überall Tabak verkaufte. Es war im Oktober sehr heiß und trocken, und die Ochsen fielen sehr ab. Bei Aasvogelkop in der Nähe von Taba Nchu blieb der erste Ochse liegen und konnte nicht weiter. Wir töteten ihn und ließen ihn am Wege liegen. Um die Ochsen zu schonen, wurde nur nachts gefahren. Um vier Uhr nachmittags wurde eingespannt und gefahren bis acht Uhr. Dann wurden die Ochsen festgebunden, und wir schliefen bis vier Uhr morgens. Dann wurde eingespannt und gefahren bis acht Uhr vormittags. Tagsüber weideten die Ochsen.

Wir hatten zwei Treiber, und zwei Vorläufer. Der eine war ein Speier, ein Rooikaffer von Queenstown, der mit Mr. Tucker raufgekommen war. Die anderen drei waren David More, Ismael Kaue (genannt Bockfell) und Phineas Poe (genannt Waldmann), alles Beute aus Onkels Gemeinde in Bethanie.

Als wir auf dem letzten kleinen Ort im Freistaat, genannt Rouxville, ankamen, hatten wir eine Fracht Tabak verkauft und von den 32 Ochsen noch 20. Wir ließen den leeren Wagen und vier Ochsen - die übrigen Ochsen waren tot am Wege liegengeblieben - mit Ismael dort unter Aufsicht eines Geschäftsmannes zurück und fuhren mit der Fracht Tabak und sechzehn Ochsen über Grootrivier bei Aliwal North in die Kapkolonie hinein. Dort bekamen wir ein kaltes Wetter mit Schnee, und unsere Ochsen fielen einer nach dem andeten. Der beste Vorderochse, Freeman, blieb Meilen vor Queenstown liegen.

Die Fracht Tabak wurde bei dem Geschäft, mit dem Mr. Tucker handelt, abgeladen. Die alte Frau Tucker setzten wir auf die Bahn, die damals schon bis Queenstown ging, und schickten sie nach East London. Damit war der Zweck der Reise erfüllt, und nach zwei Tagen machten wir uns auf den Heimweg. Wir fuhren über Stormberg, wo ein Mr. Shiton, Verwandter von Tuckers, wohnte. Es wurde ein fettes Schaf für uns geschlachtet, und wir ruhten uns ein paar Tage aus. Dann ging's dem Transvaal zu.

Auf Rouxville nahmen wir die drei Ochsen — einer war den Weg allen Fleisches gegangen — mit. Den leeren Wagen verkauften wir. Es hatte immer noch nicht geregnet, und es blieben noch verschiedene Ochsen unterwegs liegen.

Am 22. Dezember kamen wir mit unserem leeren Wagen und acht Ochsen auf Rustenburg an, waren also drei Monate unterwegs.

Diese Reise war für mich von großer Bedeutung, weil meine Gesundheit sehr dadurch gestärkt ward. Das einfache Leben in frischer Luft, Tag und Nacht draußen, hat mir gut getan. Ich habe in der ganzen Zeit nie unter einem Dach geschlafen. Unser Essen war getrocknetes Brot, Melispapp, schwarzer Kaffee und ab und an etwas Schaffleisch. Hier und da wurde auch frisches Brot in einem Termitenhügel gebacken. Dies war eine allgemeine Sitte und höchst einfach. Ein großer Ameisenhaufen wurde an der Windseite geöffnet, ebenso an der gegenüberliegenden Seite. Dann wurde mit Gras und trockenem Kuhdung ein Feuer an der Windseite gemacht, und bald brannte der Ameisenhaufen an der einen Seite. Sobald der ganze Haufen ausgebrannt war, war der Ofen heiß, wobei die obere Rinde heil blieb. Der Teig wurde hineingeschoben, die Luftlöcher mit Erde zugeklebt, und nach zwei Stunden war das Brot gar und schmeckte herrlich. An den großen Transportwegen mußte man mein lange suchen, um noch einen heilen Ameisenhaufen zu finden. Alle waren ausgebrannt. Die Ameisen mauern ihre Haufen aus kleinen Grasteilen auf, und diese brennen daher sehr gut.


Meine ersten drei Jahre in Transvaal